Mittwoch, 2. Juli 2008Einnahmequelle 1: Beratung & Schulung
Den ersten Beitrag zu meiner losen Serie Richtig Geld verdienen mit Open-Source starte ich mit der Idee, die am naheliegendsten und für einen Entwickler oder Anbieter von Open-Source-Software am einfachsten umzusetzen ist - Beratung und Schulung!
Beratung zu Software ist ein weites Feld: Sie kann bei der Bewertung, ob eine Software für einen bestimmten Einsatz geeignet ist, beginnen, über Empfehlungen für die passende IT-Infrastruktur (Hardware, Betriebssystem, Software-Stack, etc.), in der die Software eingesetzt werden sollte, führen, und bei Tipps zur optimalen Installation und Konfiguration der Software sowie Schulung für den operativen Betrieb enden. Der potenzielle Umfang der Beratung (und einhergehend damit der erzielbare Umsatz) ist abhängig von der Art der Open-Source-Software: Handelt es sich um ein komplexes System wie eine Linux-Distribution, eine ESB-Middleware oder eine ERP-Applikation? Oder geht es "nur" um ein Utility wie ein Backup-Skript oder eine kleine Applikation wie eine Adressverwaltung? Ob ein potenzieller Nutzer bereit ist, Geld für Beratung auszugeben, hängt auch davon ab, wie wichtig die Software für ihn ist. Eine Bank, die einen Open-Source-Application-Server für Ihre Online-Banking-Website sucht, ist sicherlich bereit, ein paar (kostenpflichtige) Manntage für professionelle Beratung und Schulung zu investieren. Ein Privatanwender, der nur ein Tool zum Editieren seiner Privatvideos sucht, wird dagegen kaum bereit sein, Geld zu zahlen. Sie sehen also schon, dass das Geschäftspotenzial für Beratung zu Software stark abhängig von der Art der Open-Source-Software und der Zielgruppe für diese Software ist. Zu beachten ist auch, dass Beratung und Schulung oft ein einmaliges Geschäft pro Kunde ist, weil der Kunde nach einer initialen Lernphase keinen weiteren Bedarf mehr daran hat. Wenn aber wiederkehrende Einnahmen fehlen, ist man als Entwickler oder Anbieter gezwungen, ständig neue Kunden zu gewinnen, was ein hartes Geschäft ist und entsprechend hohe Marketing- und Vertriebsausgaben erfordert! Ich persönlich bin aufgrund eigener Erfahrungen skeptisch, ob sich mit Beratung und Schulung - abgesehen von komplexen Installationen in Großkonzernen - nennenswert Geld verdienen lässt. Die Kunden sind es oft von proprietärer Software gewohnt, dass diese Leistungen eine kostenlose Beigabe sind. Während die Anbieter proprietärer Software diesen Aufwand jedoch über den Verkauf der Lizenzen finanzieren können, steht der Open-Source-Entwickler oder -Anbieter erst einmal mit leeren Taschen da. Daher ist bei den meisten Anwendern bezüglich der Finanzierung von Open-Source-Software noch ein Lernprozess erforderlich, im Sinne von Open Source ist frei, aber nicht kostenlos. In diesem Zusammenhang ist aber auch wichtig, dass sich die Open-Source-Softwareindustrie nicht weiter als Wohltäter der IT-Welt darstellt, sondern offen zugibt, dass sie lediglich ein alternatives Entwicklungs-, Vertriebs- und Finanzierungskonzept verfolgt, und dass Entwicklung und Vertrieb ohne Finanzierung (in welcher Form auch immer) auf Dauer nicht aufrecht zu erhalten sind! Trackbacks
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