Freitag, 25. Juli 2008Bericht von der OSCON (Teil 3)
Heute ist die OSCON 2008 zu Ende gegangen. Insgesamt habe ich mir in den vergangenen Tagen genau 13 Keynotes und 13 Vorträge angehört. Die Keynotes waren von stark schwankender Qualität und hatten teilweise überhaupt nichts mit Open-Source-Software zu tun. Die Vorträge, die man sich nach Geschmack aussuchen konnte - weil bis zu 16 (!) parallel liefen - waren dagegen (für mich) durchweg interessant - auch wenn der Inhalt manchmal von Titel und Ankündigungstext der Session etwas abwich.
Besonders erwähnenswert vom letzten Tag ist die Keynote von Microsoft, einem der größten Sponsor der diesjährigen OSCON. Sam Ramji, oberster Open-Sourcler bei Microsoft, hielt seine Keynote in einem Firefox-T-Shirt (!). Während noch vor zwei Jahren zahlreiche OSCON-Teilnehmer das von Microsoft gesponsorte Mittagessen nicht anrühren wollten, wurde Sam als Microsoft-Vertreter dieses Jahr mit einem warmen Applaus empfangen. Sam hob hervor, welche Open-Source-Projekte Microsoft unterstützt, damit sie besser mit bzw. unter Windows laufen (Linux, Samba, Mozilla Firefox, Apache Http, MySQL, PHP, Ruby, Python, Java sowie Eclipse) und versuchte mit zahlreichen konkreten Beispielen zu belegen, dass Microsoft eine aktive Rolle im Open-Source-Markt übernommen hat. Zuletzt gab er gemeinsam mit einem Apache-Vertreter bekannt, dass Microsoft offiziell Platinum Sponsor der Apache Software Foundation wird, d.h. die ASF finanziell stark unterstützen wird Damit stellt Sam innerhalb von Microsoft den Gegenpol zu seinem obersten Chef Steve Ballmer dar, der Open-Source-Software gerne mal öffentlich verteufelt. Trotzdem kam es in der anschließenden Q&A-Session dann doch noch zu Tumult-artigen Szenen, als die Teilnehmer Themen wie Software-Patente und das OOXML-Format ansprachen, die Moderatorin angesichts der hochschwappenden Emotionen um Kontrolle ringen musste und Sam Ramji (halbherzig) versuchte, das Verhalten von Microsoft zu rechtfertigen. Als Fazit lässt sich zur OSCON sagen, dass hier alles eine Nummer größer als in Europa und perfekt organisiert ist. Inhaltlich sind die Themen jedoch mit denen in den Europa vergleichbar, so dass ein Besuch nur aus Lernzwecken nicht lohnt, sondern allenfalls als Incentive für verdiente Open-Source-Entwickler. Wer Entwicklerthemen aus dem Enterprise-Software-Umfeld oder gar Business-nahe Themen erwartet, wird eher enttäuscht sein. Allerdings können Entwickler direkt Kontakte zu Maintainern und Committern bekannter Open-Source-Projekte knüpfen, die in ihren Sessions auch nicht müde wurden, darauf hinzuweisen, dass sie für ihre Projekte weitere Contributors suchen. Der inhaltliche Gleichstand von Nordamerika und Europa, der auf der OSCON deutlich geworden ist, überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass viele weltweit wichtige Open-Source-Projekte wie Linux, MySQL, PHP, KDE oder OpenOffice ihre Wurzeln in Europa haben. Daher war auch die Zahl von Teilnehmern und Referenten aus Europa auf der OSCON nicht unbeträchtlich, während andere Kontinente praktisch keine Rolle spielten. Ein Gebiet allerdings, auf dem Nordamerika gegenüber Europa voraus ist, ist die Akzeptanz von Open-Source-Software in großen Unternehmen und auch in sensiblen Einsatzbereichen. Aber ich denke (und hoffe), dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Europas Unternehmen hier nachziehen werden. Trackbacks
Trackback für spezifische URI dieses Eintrags
Keine Trackbacks
|
SucheKategorienBlog abonnierenBlogrolleImpressum
Open Source Inside
(About this website) ADAMATIS GmbH Martin Aschoff Werner-Eckert-Str. 6 81829 Munich Germany Tel: ++49 89/55 29 08 80 maschoff@os-inside.de Responsible for the content of this website according to German law (RStV §55 (2)): Martin Aschoff |