Google Chrome beweist, dass ein Open-Source-Projekt, hinter dem ein Unternehmen steht, schneller und zielgerichteter Innovationen schaffen kann, als ein reines Community-Projekt wie Firefox, das eher die Innovationen der Wettbewerber optimiert als eigene zu schaffen und primär auf unbezahlten Freiwilligen aufbaut (übrigens im starken Kontrast zu Ex-Präsidentin Mitchell Baker, die mit über 500.000 US$ pro Jahr entlohnt wurde).
Google Chrome ist nicht bloß ein weiterer Browser um Webseiten zu betrachten, sondern nach meiner Meinung der erste brauchbare Desktop-Application-Server für Web-Applikationen. Google Chrome erlaubt es, künftig Web-Applikationen zu bauen, die sich bei Nutzung von Chrome als Browser wirklich wie Desktop-Programme verhalten. Dazu bietet Chrome folgende Eigenschaften:
- Die schnelle Javascript-Engine beschleunigt AJAX-Funktionalität in die Nähe der Reaktionszeiten von Desktop-Applikationen
- Das Speichermanagement, das jeden Tab als eigene Instanz verwaltet, sorgt dafür, dass eine im Browser laufende Web-Applikation beim Absturz nicht alle anderen parallel laufenden Applikationen mit sich reißt
- Einzelne Tabs, in denen z.B. Web-Applikationen laufen, lassen sich aus Chrome herauslösen und als eigenständige Fenster betreiben - diese lassen sich sogar wie Desktop-Programme per Startmenü, Desktop-Icon oder Schnellstartleiste starten
- Das Google-Gears-Framework ist bereits integriert, so dass sich entsprechend angepasste Web-Applikationen selbst dann (eingeschränkt) nutzen lassen, wenn gerade keine aktive Internet-Verbindung vorhanden ist
- Last not least: Google Chrome sowie sämtliche Komponenten stehen unter Open-Source-Lizenzen, so dass die Nutzung und Weiterverwendung der Software weder an besonders einschränkende Bedingungen gebunden ist, noch das Produkt als Eintagsfliege zu werten ist (von der Finanzstärke Googles einmal ganz abgesehen)
Die Konsequenz: Mit Chrome kann der Browser zum Desktop-Betriebssystem der Zukunft werden, denn wenn alle Programme als Web-Applikationen im Browser laufen, kann dem Nutzer das Betriebssystem dahinter gleichgültig sein. Damit wird für Software-Anbieter und die Open-Source-Community das Entwickeln von Web-Applikationen, die gegenüber Desktop-Programmen die Vorteile der Plattform- und Standort-Unabhängigkeit bieten, noch attraktiver. Und Microsoft hat einen Grund mehr, sich wegen Google Sorgen zu machen ...