Im
EOS Directory, das die
Open Source Business Foundation (deren Vorstandsmitglied ich bin) in Kürze neu aufsetzen wird, geht es nicht um Open Source Software, sondern um
Enterprise Open Source Software (Enterprise OSS). Das ist zwar im Namen nur ein kleiner, in Wirklichkeit aber ein sehr großer Unterschied! Der Namenszusatz "Enterprise" bedeutet, dass die Software für den professionellen Einsatz in geschäftskritischen Bereichen eines Unternehmens geeignet sein muss. Und die aus diesem Einsatzbereich resultierenden zusätzlichen Anforderungen sind signifikant, wie die Praxis zeigt.
So beinhaltet der Einsatz einer Open Source Software in Unternehmen auf der einen Seite funktionale Anforderungen wie
- Schnittstellen für die Integration in eine existierende IT-Infrastruktur
- Berücksichtigung von Zeitzonen
- Mandantenfähigkeit (sofern erforderlich)
- eine mehrsprachige Benutzeroberfläche (sofern eine GUI vorhanden ist) mit Unterstützung verschiedener Zeichensätze
- die Unterstützung älterer Browser-Versionen wie Internet Explorer 6 (für Web-Applikationen)
Auf der anderen Seite kommen nicht-funktionale Anforderungen hinzu, wie zum Beispiel
- ein stabiler und nicht zu exotischer Software-Stack, der zum Betrieb der Enterprise OSS erforderlich ist (Application Server, DBMS, ESB, o.ä.)
- die einfache Skalierbarkeit der Software (z.B. durch Caching, Verteilung auf mehrere Server, etc.)
- die Sicherheit der Daten vor Hack-Angriffen (nicht nur von außen, sondern auch von innen
- eine gute Usability, die die Bedienung der Enterprise OSS auch Gelegenheitsnutzern erlaubt (oft ein Schwachpunkt bei OSS)
Über die bloßen funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen hinaus haben Unternehmen oft Bedarf an zusätzlichen Dienstleistungen rund um eine Enterprise OSS, und zwar umso dringender, je geschäftskritischer die eingesetzte Software ist. So erwarten Unternehmen auf folgenden Gebieten Service-Leistungen durch externe Anbieter:
- Schulung: Dokumentation, Trainingskurse, Experten-Hotline, etc.
- Consulting: Workshops von der Spezifikation bis zur Implementierung, Unterstützung bei der Installation und Konfiguration der Software
- Service&Support: Sicherstellung des Betriebs der Software und Beseitigung von Problemen im laufenden Betrieb
- Wartung: Anpassung, Pflege und Aktualisierung der Software
- Entwicklung: Umsetzung von Änderungs- und Erweiterungswünschen (und zwar so, dass diese ein Software-Update überleben und nicht neu programmiert werden müssen)
- Infrastruktur-Tools: bedienungsfreundliche und zeitsparende Monitoring- und Administrations-Tools (die im Gegensatz zum Kernprodukt oft nicht Open Source sind)
Sicher ist diese Aufzählung noch nicht vollständig. Doch es ist bereits jetzt eine umfangreiche Aufstellung, die demonstriert, wie hoch die Anforderungen an eine Enterprise OSS im Vergleich zu normaler Open Source Software sind. Und meine persönliche Erfahrung zeigt, dass eine Software, die die oben genannten Punkte nicht oder nur unvollständig erfüllt, für den Einsatz in Unternehmen wenig geeignet ist.